...schau doch mal rein...

Evangelisch-methodistische Kirche Waiblingen-Hegnach

So 29. April - 10:00 Uhr
Gottesdienst
Pastor Dieter Jäger
Friedenskirche Hegnach
So 6. Mai - 10:00 Uhr
Gottesdienst
Lothar Steeb
Gemeindehaus Neckarrems
So 13. Mai - 10:00 Uhr
Gottesdienst mit Abendmahl
Dieter Jäger
Friedenskirche Hegnach
So 20. Mai - 10:00 Uhr
Gottesdienst zum Pfingsfest
Dieter Jäger
Gemeindehaus Neckarrems
Dienstag, 24. April 2018
HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Gott, der reich ist an Erbarmen, hat uns in seiner großen Liebe, die er uns entgegenbrachte, mit Christus zusammen lebendig gemacht, obwohl wir tot waren in unseren Verfehlungen ? durch Gnade seid ihr gerettet.

Radikale Gastfreundschaft

Anspiel

Sonntagmorgen. Die übliche Geschäftigkeit vor dem Gottesdienst.

Eine junge Mutter zum ersten Mal im Gottesdienst, und alles sind beschäftigt!
Anna setzt noch Kaffee auf, Beate werkelt am Beamer, Christian zählt die Stühle, Dieter verschwindet  eilig aus dem Raum, er muss noch zum Gebetskreis. Die junge Mutter Juli kommt zum ersten Mal zum Gottesdienst, und alles sind beschäftigt! Die größte Sorge des gestressten Gottesdienstteams: Wer ist denn heute für Gäste eingeteilt?

Ihre Freundin hat es ganz anders erlebt. Sie hat sogar einen Schaukelstuhl für sich und Ihr Baby angeboten bekommen!
Einen Tag später im Park berichtet ihre Freundin Sabine von ihrem Gottesdiensterlebnis. Sie hat es ganz anders erlebt als Juli. Sie hat sogar einen Schaukelstuhl für sich und Ihr Baby angeboten bekommen!

Predigt

Da prallen ja zwei gegensätzliche Erfahrungen aufeinander, zumindest wenn man aufmerksam hört, was die beiden Freundinnen sich zum Schluss der Spielszene erzählen  Beide waren am Sonntag im Gottesdienst – in verschiedenen christlichen Gemeinden wohlgemerkt  und beide haben „christliche Gemeinde“ ganz anders erlebt.  Die Menschen von der einen sind ganz schön beschäftigt – alles ist super organisiert, nur Pech, dass niemand für die Gästebegrüßung eingeteilt ist. Alles wichtige Aufgaben zweifellos – aber für den neuen Gast ist niemand da!

Von der anderen Gemeinde wird anders erzählt – da standen nicht die Dienste im Mittelpunkt, obwohl es die wohl auch gab – aber das wirklich Wichtige wurde nicht vergessen.  Die Aufmerksamkeit für den Gast, die Frau mit ihrem Baby, sie war spürbar, erlebbar – und das blieb in der Erinnerung haften. 

Selbstverständlich denken wir vielleicht – aber ist das wirklich so selbstverständlich bei uns? Welche Selbstverständlichkeit praktizieren wir?  Klar, die Dienste laufen auch bei uns gut organisiert. Alle, die etwas im Gottesdienst oder um den Gottesdienst herum zu tun haben, wissen es und tun es.  Es ist klar, wer Begrüßungsdienst hat  und wer die Technik übernimmt.  Es ist klar, wer für die musikalische Begleitung sorgt  und wer den Liturgendienst ausübt, sogar der Kirchenkaffee ist weitgehend vorbereitet, bevor der Gottesdienst beginnt.  Ja, ich würde sogar sagen, wenn ein Gast sonntags zu uns kommt, geht es ihm vielleicht nicht ganz so gut wie Sabine, aber so schlecht behandelt wie Juli wird er auch nicht.  Es gibt Menschen unter uns, die gehen auf Gäste zu, sprechen sie an, laden sie zum Kirchenkaffee ein. 

Aber heißt das, dass wir radikal gastfreundlich sind – uns das Thema der vergangenen Woche  und des heutigen Gottesdienstes eigentlich schenken könnten?  Heißt das, dass unsere Türen offen stehen – und jeder Mann,  jede Frau und jedes Kind herzlich willkommen sind.  Ehrlich gesagt: ich habe da so meine Zweifel – Gerade wenn ich an das denke,  was vorher im Interview von den Indianern gesagt wurde.  Ich frage mich manchmal, ob unsere Gemeinden wirklich offen und radikal gastfreundlich sind?  Oder sind wir – ehrlich gesagt – nicht doch wie Anna, Beate, Christian und Dieter ziemlich auf uns fixiert? Wenn auch nicht am Sonntag, so doch im Gemeindealltag? 

Um es ein wenig von uns zu lösen – und vielleicht leichter hörbar zu machen, möchte ich ein Beispiel erzählen, das mir jemand aus unserer Gemeinde erzählt hat.  Als sie umgezogen war und zum ersten Mal in die neue Gemeinde ging, wurde sie sofort angesprochen. Man fragte, wer sie sei, woher sie käme,  was sie in die Gemeinde führe.  Als sie von sich erzählte und erwähnte, dass sie in ihrer Heimatgemeinde Sonntagsschule gehalten hat, wurde sinngemäß gesagt: „Toll, da kannst du bei uns auch mitmachen.“ Damals war ihr das zu viel, sie wollte einfach mal kommen und schauen. 

Grundsätzlich finde ich die Kontaktaufnahme ja gut – aber radikal gastfreundlich zu sein, heißt halt nicht gleich, zu überlegen, wo und wie ist der Gast jetzt bei uns einplanbar, sondern mal zu schauen, was der Gast uns mitbringt.  Gesteigert wird dieses widerstrebende Verhalten noch, wenn nicht nur überlegt wird, wo ist der Gast einplanbar, sondern vielleicht auch noch erwartet wird, dass er sich uns anpasst. Anpassen heißt Dinge, die bei uns so sind, wie sie sind; und laufen, wie sie laufen, vielleicht auch gut laufen; kommentarlos mitzumachen und sich ganz unten einreihen.

Bis dann neue Ideen aufgenommen werden, kann eine gewisse Zeit vergehen –  und die Ursachen, die für diese Zeitdauer verantwortlich sind, können mannigfaltig sein. „Hochdienen“ ist da ein Stichwort –  und das kann abhängig davon sein,  wie uns die Ideen gefallen oder wie uns die neue Nase gefällt, des Gastes Glaubenshaltung oder sein Engagement.  Natürlich tue ich mich auch schwer damit, wenn jemand frisch kommt und mir sagen will, was alles verändert werden muss. Aber ein „Neuer“ hat, so denke wenigstens ich, mehr Hemmungen sich so einzubringen als wir ahnen. 

Und doch spüren Gäste und neue Leute, welche Atmosphäre in einer Gemeinde herrscht. Ist es das geschäftige Treiben, das keinen Raum für Neues hat? – oder ist es die freundliche Aufmerksamkeit, die sich am Neuen freut und gespannt ist, was es bringt?  Aber dazu gehört manches: die Bereitschaft „eigenes“, „bewährtes“ und „liebgewordenes“ zur Disposition zu stellen – und das ist nicht immer leicht.  Warum also sollte man dies tun, gerade wenn’s einigermaßen läuft? 

Ich sehe dafür im Wesentlichen drei Gründe:

  • Der Erste hat mit Gott zu tun
  • Der Zweite hat mit den Gästen zu tun
  • Der Dritte hat mit uns zu tun

Es mag euch seltsam erscheinen, aber die Geschichte, die mir zu diesem Gottesdienst eingefallen ist, ist die Geschichte vom verlorenen Sohn. Deshalb habe ich sie vorher gelesen. 

1.) Das, was mit Gott zu tun hat 

Die Geschichte vom verlorenen Sohn und dem barmherzigen Vater (Lukas 15,11-32) sagt es ziemlich deutlich.  Das ist Gott, der sich freut, wenn sein Kind zu ihm zurück kehrt. Gott liebt alle Menschen, alle seine Kinder so sehr, dass er nicht ohne Eines davon leben möchte. Gott steht an der Tür seines Hauses und wartet darauf, dass sein verlorenes Kind zu ihm zurück will – und wenn er es in der Ferne kommen sieht, dann macht er sich auf, springt und läuft seinem Kind entgegen – lacht und jauchzt (wenigstens stelle ich mir das so vor) und fällt seinem Kind um den Hals. Und dann schaut er das Kind an und sagt: Schön dass du endlich daheim bist, ich habe so lange auf dich gewartet. Und das Kind weint vor Freude und fällt seinem Vater in die Arme.

Ich hoffe: Jede und jeder von uns hat diese Freude Gottes schon gespürt. Jede und jeder von uns, der zu Gott zurück gefunden hat. Da ist ein Gefühl der Freude Gottes, die auch uns erfüllt.   

2.) Das, was mit den Gästen zu tun hat 

Um im Bild des Gleichnisses zu bleiben, nicht um Gäste - Menschen, die (noch) nicht glauben  zu qualifizieren oder gar abzuwerten, möchte ich Folgendes sagen. Viele Menschen sind wie der verlorene Sohn in der Fremde. Sie haben ihr Leben von Gott – wie der verlorene Sohn. Wie er haben sie sich von Gott ihr Erbteil erbeten, das Gut, das ihnen Freiheit schenkt. Und sie damit ausgezogen in die Welt, haben ihrem Zuhause den Rücken gekehrt. Suchen nach dem Glück.  Mehr oder weniger spüren sie, dass sie ihr Glück auf diese Weise nicht finden. Und irgendwann – die Not mag groß oder klein sein, kehren sie um – wollen zurück nach Hause, zurück zu Gott. 

Kein Mensch kann sich davor schützen, nur der Zeitpunkt des Umkehren-Wollens unterscheidet sich: die einen tun es in jüngeren Jahren,  die anderen im höheren Lebensalter  manche auf dem Sterbebett – und viele vielleicht erst, wenn sie im Tod vor Gott stehen.  Dass der Mensch auf Gott bezogen ist und mit ihm leben will, das ist eine Tatsache und von Gott, der den Mensch erschaffen hat und ihm sein Leben gab, genau so gewollt.  Egal ob der Mensch das weiß oder nicht – Die Sehnsucht nach Gott ist in ihm angelegt. 

3.) Das, was mit uns zu tun hat 

a) Wir haben eine Bestimmung 

Wer genau zugehört hat, weiß es: die Diener und der Sohn, der daheim ist, sollen das Fest vorbereiten – mit allem was dazu gehört. Was zwischen dem Vater und seinem zurückkehrenden Sohn, was zwischen Gott und jedem seiner Kinder, das zurückfindet, abgeht, das ist deren Sache – so wie es Gottes und meine Sache bei meiner Rückkehr war. Aber als Menschen, die jetzt im Hause Gottes leben, haben wir einen Auftrag: das Fest vorbereiten, das Haus schmücken, den Raum schaffen – oder anderes ausgedrückt:  mithelfen, dass Menschen zurückkehren können.

Im Jargon unserer 40-Tage-Aktion gesprochen, bedeutet dies: Wir tun das, wenn wir radikal gastfreundliche Gemeinde sind, in deren Häuser dieser Geist spürbar ist, der Freude des Vaters, der sich über jedes seiner Kinder freut, das nach Hause kommt. 

b) Nicht weil es befohlen wird, sondern weil wir wie der erste Sohn beim Vater sind 

Die Geschichte sagt auch das klar: dem älteren Sohn fällt es schwer, sich mitzufreuen aber der Vater wirbt um ihn und sagt ihm, wie glücklich er ist, dass auch er da ist. Wenn wir also unsere Bestimmung Gottes leben, dann nicht mit einem griesgrämigen Gesicht – oder weil es halt sein muss und wir die neuen Leute brauchen – denn irgendwann leben sie ja mit in unserem Haus  und helfen vielleicht mit, das nächste Fest vorzubereiten.  Nein, der einzige wirkliche Grund, unsere Bestimmung zu leben, ist, dass wir Gottes Liebe erfahren  und uns täglich dankbar daran freuen dürfen. Deshalb gibt es keinen Grund,  diese Liebe exklusiv für uns zu beanspruchen, sondern allen Grund, soweit uns möglich, mitzuhelfen, dass andere Menschen diese Liebe auch erfahren.

c) Uns wird durch den Zurückgekehrten etwas geschenkt und nichts genommen 

Lasst mich zum Schluss nochmal auf die Indianer kommen. Der ältere Sohn in der Geschichte hat ja Angst, dass ihm durch den zurückgekehrten jüngeren Bruder etwas genommen wird. Die Indianer lehren uns eine andere Blickrichtung. Ich erinnere mich gut, als ein neuer Teilnehmer in Löwenstein bei einem NGE-Wochenende davon gesprochen hat, wie wichtig es für ihn ist, dass er etwas mit Freude tut. In manchen Entscheidungen, die in der Folgezeit zu treffen waren, wurde sein Wort wegweisend –  und uns allen wurde dadurch etwas geschenkt.