...schau doch mal rein...

Evangelisch-methodistische Kirche Waiblingen-Hegnach

So 29. April - 10:00 Uhr
Gottesdienst
Pastor Dieter Jäger
Friedenskirche Hegnach
So 6. Mai - 10:00 Uhr
Gottesdienst
Lothar Steeb
Gemeindehaus Neckarrems
So 13. Mai - 10:00 Uhr
Gottesdienst mit Abendmahl
Dieter Jäger
Friedenskirche Hegnach
So 20. Mai - 10:00 Uhr
Gottesdienst zum Pfingsfest
Dieter Jäger
Gemeindehaus Neckarrems
Dienstag, 24. April 2018
HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Gott, der reich ist an Erbarmen, hat uns in seiner großen Liebe, die er uns entgegenbrachte, mit Christus zusammen lebendig gemacht, obwohl wir tot waren in unseren Verfehlungen ? durch Gnade seid ihr gerettet.

Zielgerichtete Glaubensentwicklung

Kennen Sie Todd Anderson? Oder Neil Perry? Oder wenigstens John Keating?

Alle drei sind Figuren eines meiner Lieblingsfilme:

Der Club der toten Dichter

Todd AndersonTodd Anderson kommt zu Beginn des Schuljahres 1959 an die traditionsbewusste Welton Academy, ein konservatives Jungeninternat im US-Bundesstaat Vermont. Die Leitideen, die sich das Internat auf seine Banner geschrieben hat, sind Tradition, Ehre, Disziplin, Leistung. Mit diesen Tugenden will man die Schüler zu beruflichem Erfolg führen und zur kommenden Elite machen. Der schüchterne, in sich gekehrte Todd besitzt keinerlei Selbstvertrauen und steht völlig im Schatten seines älteren Bruders, der einer der besten Absolventen der Schule war.

Neil PerryEr kommt zu Neil Perry aufs Zimmer. Neil ist schon lange auf der Schule, kennt sich aus und weiß, was von ihm erwartet wird. Vor allem von seinem Vater, der sein Leben bestimmen will. Aber so unterschiedlich Neil und Todd auch scheinen, zwischen den Beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft.

Ebenfalls neu an der Schule ist der Englischlehrer John Keating, selbst einst Schüler von Welton. Sein Unterricht verblüfft die Schüler schon in der ersten Stunde. Mit unkonventionellen John KeatingMethoden fordert der Lehrer sie zu selbstständigem Handeln und freiem Denken auf. Keating vermittelt seinen Schülern die Welt der Literatur und der schönen Dinge des Lebens; sie sollen Poesie nachvollziehen und in sich selbst entdecken, anstatt sie nur als das zu wiederholen, was sie zuvor auswendig gelernt haben. Dazu gehört auch das Verfassen und Vortragen eigener Gedichte.

In einem alten Schuljahrbuch stoßen die Schüler auf Keating und erfahren, dass er als Schüler dem sogenannten „Club der toten Dichter“ angehörte. Bei nächster Gelegenheit darauf angesprochen, erklärt Keating ihnen, worum es in diesem Club ging: Man traf sich in einer nahen ehemaligen Indianer-Höhle im Wald zur geheimen und verbotenen Würdigung von Poesie. Einige der Schüler beschließen daraufhin, den Club wieder ins Leben zu rufen. Sie schleichen sich nachts vom Gelände, treffen sich in der besagten Höhle, tragen einander Gedichte vor und genießen die Gemeinschaft jenseits der engen Mauern und starren Regeln der Schule.

Zur Eröffnung jeder „Sitzung“ des Clubs wird traditionell, wie schon zu Keatings Zeiten, als Ritual ein Auszug aus Walden von Henry David Thoreau von allen Mitgliedern gemeinsam rezitiert.

„Ich ging in die Wälder, weil ich bewusst leben wollte. Ich wollte das Dasein auskosten. Ich wollte das Mark des Lebens einsaugen! Und alles fortwerfen, das kein Leben barg, um nicht an meinem Todestag innezuwerden, dass ich nie gelebt hatte.“

Keatings Unterrichtspraktiken sind ebenso ungewöhnlich wie anschaulich: Um zu demonstrieren, wie wichtig ein Perspektivwechsel sei, sollen alle seine Schüler einmal auf das Lehrerpult steigen und „die Welt“ von dort oben betrachten; ein anderes Mal lässt er sie auf dem Schulhof exerzieren, um ihnen auf diese Weise die Macht der Anpassung zu verdeutlichen. Sein Unterrichtsstil stößt im konservativen Lehrerkollegium allerdings bald auf Ablehnung.

In den Schülern jedoch wächst der Wunsch, sich eigene Ziele zu setzen und erste Schritte zu deren Verwirklichung zu wagen. Keating mag seine Schüler so sehr,dass ihm auch ihre individuelle Förderung wichtig ist. Er möchte ihnen Mut machen, das Eigene - über die vorgegebenen Konventionen hinaus - zu entdecken und zu leben. Er ermutigt beispielsweise Todd immer wieder, sich mehr zuzutrauen und seine Möglichkeiten auszuloten. Er schreckt dafür auch vor ungewöhnlichen Methoden nicht zurück.

Nur sehr allmählich gelingt es Todd, seinen eigenen Wert zu erkennen und Selbstvertrauen aufzubauen. Aber mehr und mehr wird er zum Verfasser eigener Gedichte. Aber nicht nur Keating hilft den Jungs, das Eigene und Besondere des Lebens zu entdecken, sondern auch die Jungs helfen sich gegenseitig. Knox Overstreet zum Beispiel hat sich in Chris verliebt. Chris ist mit einem ziemlichen Großmaul zusammen. Seine Freunde ermutigen ihn, um sie zu kämpfen. Gut, er holt sich dabei auch Hohn und Spott ab, ja sogar eine blutige Nase. Aber schließlich gewinnt er sie doch …

Neil Perry entdeckt seine Leidenschaft fürs Theaterspiel. Neil widersetzt sich damit heimlich dem strikten Verbot seines Vaters, der Neils Lebensführung bis ins Detail bestimmen will. In einer örtlichen Aufführung von Shakespeares Sommernachtstraum erhält er die Rolle des Puck und spielt sie mit großem Erfolg. Sein Vater aber hat inzwischen von Neils Ungehorsam erfahren. Überzeugt, dass es Keating war, der Neil dazu angestiftet habe, erscheint er am Ende der Premiere, zerrt seinen Sohn nach Hause und kündigt ihm an, ihn von der Schule zu nehmen und unverzüglich auf eine Militärakademie zu schicken. Nachdem Neil einsehen muss, dass seine endlich gefundene eigene Lebensvorstellung keinerlei Gehör findet und er gezwungen werden soll, weiterhin nur die Wünsche seines Vaters zu erfüllen, nimmt er sich noch in derselben Nacht das Leben.

Auf der Suche nach einem Schuldigen an Neils Tod macht die Schulleitung Keating und seine Erziehung zu selbstständigem Denken dafür verantwortlich. Ohne dessen Indoktrination und nonkonformistische Ideen wäre das nie geschehen. Die Mitglieder des „Clubs der toten Dichter“ werden, um ihre eigene Haut zu retten, dazu gedrängt, wider besseres Wissen eine vorgefertigte Erklärung mit unwahren Behauptungen zu unterschreiben, die Keating die alleinige Verantwortung zuschreibt, sodass dieser die Schule verlassen muss.

Als Keating noch einige persönliche Dinge abholt, passiert Folgendes:

Download MP3Vielleicht denkt ihr jetzt: schön und gut,aber was hat das mit unserem heutigen Thema „Zielgerichteter Glaubensentwicklung“ zu tun? Ich versuche mal ein paar Antworten: Natürlich ist das nur ein Film, aber er enthält vieles was ich gut auf mein Leben übertragen kann:

1.) Wenn John Keating sagt:

„Wir lesen und schreiben Gedichte nicht nur so zum Spaß. Wir lesen und schreiben Gedichte, weil wir zur Spezies Mensch gehören, und die Spezies Mensch ist von Leidenschaft erfüllt und Medizin, Wirtschaft, Jura und Technik sind zwar durchaus edle Ziele und auch notwendig, aber Poesie, Schönheit, Romantik und Liebe sind die Freuden unseres Lebens.“

und dann Walt Whitman zitiert:

"Oh ich, oh Leben! Auf alle diese wiederkehrenden Fragen, auf diesen unendlichen Zug der Ungläubigen, auf die Städte, die voller Narren sind. Was habe ich darauf für eine Antwort – oh ich, oh Leben? Dies aber ist die Antwort: Damit Du bist hier, damit das Leben blüht, deine Individualität. Damit das Spiel der Mächte weitergeht und du deinen Vers dazu beitragen kannst.“

Dann würde ich sagen: Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind zwar durchaus edle Ziele und auch notwendig, aber Glaube, Hoffnung und Liebe sind die Fundamente unseres Lebens, denn davon leben wir -und wenn du fragst, warum du hier bist, dann ist die Antwort: Du bist hier, weil Gott JA zu dir sagt, dich liebt und will, dass du sein Gegenüber bist, damit Glaube, Hoffnung und Liebe in dir wachsen und du dich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einsetzt

Lobpreisband2.) Wenn John Keating seine Schüler mag, sie mit unkonventionellen Methoden zu selbstständigem Handeln und freiem Denken auffordert. Wenn er ihnen Mut macht, das Eigene - über die vorgegebenen Konventionen hinaus - zu entdecken und zu leben. Dann möchte ich sagen:

Um wie viel mehr entspricht seine Haltung gegenüber der Klasse, der Haltung Gottes uns gegenüber. Gott ist für mich keiner, der meine Anpassung fordert, so wie es Neils Vater von seinem Sohn verlangt. Nein, Gott ist einer, der sich an meine Gaben freut – und möchte, dass ich sie recht einsetze, zu seinem Lob, zu seiner Ehre und zur Freude und zum Nutzen der Menschen. Gott lädt mich ein, meine Gaben zu entdecken – aber auch im Glauben zu erkennen, wie und so ich sie am besten leben kann.

Zielgerichtete Glaubensentwicklung ist für mich immer Beides: Gottes WWW – Wesen, Wirken und Wollen zu erkennen – und mich dabei nicht zu vergessen. In der Bibel begegne ich mir und Gottes WWW – und kann beides aufeinander beziehen. Gott schenkt mir die Fähigkeit dies zu tun – und mutet mir damit gleichzeitig zu, dies auch zu machen. Ich habe es in der Hand, so zu leben wie die Jungs, die am Ende auf den Tisch gestiegen sind – und damit dem Rektor die Grenzen seiner Macht aufgezeigt haben – oder so zu leben, wie die Jungs, die sitzen geblieben sind –und damit gezeigt haben, dass sie eigentlich nichts verstanden haben.  

3.) Wenn der Film zeigt, wie wichtig Freunde sind, die mir helfen, dass ich meine Identität finde – auch wenn es manchmal richtig kracht, dann würde ich gerne sagen: Ganz ähnlich könnte es in einer christlichen Gemeinde sein – nur dass dies kein Club der toten Dichter ist, sondern ein Verbund lebendiger Gotteskinder, die sich gegenseitig unterstützen, trösten und tragen, das Leben miteinander teilen, sich aber ggf auch konstruktiv kritisieren und korrigieren.

Ja, ich würde sogar soweit gehen und sagen: dazu sind wir einander geschenkt – um füreinander da zu sein –und die eigene Identität zu finden geht nur mit anderen – und nie ohne sie.

4.) Wenn der Club der toten Dichter, das sind ja genau die Freunde, auf die es ankommt, immer wiederholend sagt:

„Ich ging in die Wälder, weil ich bewusst leben wollte. Ich wollte das Dasein auskosten. Ich wollte das Mark des Lebens einsaugen! Und alles fortwerfen, das kein Leben barg, um nicht an meinem Todestag innezuwerden, dass ich nie gelebt hatte.“

Dann könnte ich – mit hoffentlich vielen der mit mir verbundenen Gotteskinder vielleicht sagen:

Ich folge Jesus nach, weil ich bewusst leben will. Ich will das Dasein spüren - mich dem wahren Leben entgegenstrecken - und alles fortwerfen, das kein Leben birgt, um nicht an meinem Todestag vor Gott zu stehenund innezuwerden, dass ich umsonst gelebt habe. Und deshalb will ich von ihm lernen – deshalb soll sich mein Glaube entwickeln, wachsen, reifen und Frucht bringen.

Realtionszeit: Was hab ich vom Gottesdienst mitgenommen?Ja, wenn ich die Zielrichtung von Glaubensentwicklung definieren sollte, dann wohl so: Es geht darum im Raum des dreieinigen Gottes zu leben, um Gott immer besser kennen zu lernen - sein Leiden zu teilen und seine Kraft zu erfahren, im Bewusstsein dessen, dass ich mich diesem Ziel nur bruchstückhaft nähere aber in der Gewissheit dessen, dass ich von Gott erfüllt werde wenn ich von den Toten auferstehe. Denn so schreibt der Apostel Paulus an anderer Stelle:Jetzt sehen wir alles nur wie in einem Spiegel und wie in rätselhaften Bildern, dann aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Wenn ich jetzt etwas erkenne, erkenne ich immer nur einen Teil des Ganzen; dann aber werde ich alles so kennen, wie Gott mich jetzt schon kennt.