...schau doch mal rein...

Evangelisch-methodistische Kirche Waiblingen-Hegnach

So 29. April - 10:00 Uhr
Gottesdienst
Pastor Dieter Jäger
Friedenskirche Hegnach
So 6. Mai - 10:00 Uhr
Gottesdienst
Lothar Steeb
Gemeindehaus Neckarrems
So 13. Mai - 10:00 Uhr
Gottesdienst mit Abendmahl
Dieter Jäger
Friedenskirche Hegnach
So 20. Mai - 10:00 Uhr
Gottesdienst zum Pfingsfest
Dieter Jäger
Gemeindehaus Neckarrems
Dienstag, 24. April 2018
HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Gott, der reich ist an Erbarmen, hat uns in seiner großen Liebe, die er uns entgegenbrachte, mit Christus zusammen lebendig gemacht, obwohl wir tot waren in unseren Verfehlungen ? durch Gnade seid ihr gerettet.

Außerordentliche Großzügigkeit

Freunde im AMICIAnspiel: Geld regiert die Welt

Vier Freunde genießen einen schönen Abend in einer italienischen Pizzeria.

Doch als es ans Zahlen geht, kommt plötzlich Unstimmigkeit auf. Die italienische Bedienung der Pizzeria Amici geht davon aus, dass es nur eine Rechnung gibt. Die Freunde sind überrascht, überfordert, verärgert. Sie sind es gewohnt, dass jeder nur für sich zuständig ist. Doch hier läuft es eben anders....

Ein Theaterstück aus dem Fundus des Vereins Drama Ministry.

Predigt

Download MP3Getrennte Rechnung bitte!So ist das manchmal: da hat man einen schönen Abend zusammen, da freut man sich auf einen tollen Urlaub, da gehört man gerne zu einer Kirche und Gemeinde – aber wenn’s an den eigenen Geldbeutel geht, wird’s heikel. Das geht auch mir so. Vielleicht fällt es mir deshalb heute besonders schwer, etwas Authentisches zum Thema zu sagen – aber wenn’s denn authentisch sein soll, dann bitte.

Als Pastor in der EmK ist das Thema wirklich nicht einfach – das ist auch bei uns im Kollegenkreis immer wieder eine Diskussion wert. „Wie hältst du das denn mit deinem Kirchenbeitrag?“ wird gefragt. Und dann kommen Antworten von „ich gebe den Zehnten“ bis hin zu Antworten wie „ich gebe keinen Beitrag.“

Die einen werden dann weitergefragt: „Wie machst du das denn, von dem kleinen Gehalt noch 10% abzugeben?“ Und die anderen werden weitergefragt: „Findest du das richtig, keinen Beitrag zu geben?“ Die Antwort der einen ist: „Ich vertraue auf Gott, er gibt mir, was ich brauche.“ Die Antwort der anderen lautet: „Mein Leben ist mein Opfer – ich verzichte auf Vieles – und das Gehalt in unserer Kirche ist so bemessen, dass es gerade zum Leben reicht.“ Ich kann beide Positionen verstehen – und gebe zu, dass ich oftmals zwischen ihnen schwanke.

InterviewDa ist zum einen das Vertrauen in Gott und die Erfahrung, dass er für mich und meine Familie sorgt. Da ist zum anderen aber auch die Realität der Kirche: Seit über 10 Jahren bekommen wir Pastoren ca. 1% mehr Gehalt pro Jahr – das reicht nicht mal um die Inflation auszugleichen. Das heißt wir Pastoren haben in den letzten 10 Jahren einen spürbaren Kaufkraftverlust unseres Gehaltes erlebt. Realität ist auch, dass Vorteile gestrichen werden, wie die kostenlose Verpflegung bei Distriktsversammlungen – und auch das Essensgeld bei der Jährlichen Konferenz gibt’s nicht mehr, andererseits ist das Kilometergeld für Dienstfahrten konstant.

Vielleicht erinnern sich einige: 2002 als der Euro eingeführt wurde kostet 1 Liter Benzin 96 Cent, heute kostet derselbe Liter über 1,50€ - das Kilometergeld damals wie heute beträgt 30 Cent. Ich will nicht klagen: Mir hier in Hegnach geht es gut – das liegt aber auch daran, dass ihr so für euren Pastor sorgt – und seine Frau arbeitet. Und doch: die Spannung bleibt.Von daher will ich heute nur ein paar Gedankensplitter zum Thema weitergeben.

In Sachen Geld wird immer wieder vom Zehnten gesprochen. Was ist eigentlich der Zehnte? Der Zehnte meint, dass 10% meiner Einnahmen Gott gegeben werden. Im Alten Testament wurde dies ebenso als Gebot behandelt, wie die Tatsache, dass man das Erstgeborene Gott opfern sollte. Heute ist die Diskussion um den Zehnten darauf gerichtet, dass 10% meiner Einnahmen Gott gegeben werden.

Soweit so gut – aber die Diskussion fängt schnell an: 10% der Brutto- oder Nettoeinnahmen? 10% des Gehalts oder auch von Zins- und Mieteinnahmen? 10% der Gemeinde/Kirche oder insgesamt, also auch Missionswerken oder ähnlichem?

Ich finde, das ist Erbsenzählerei. Denn eigentlich geht es um anderes. Worum es geht, erzählt eine kurze Geschichte von Jesus. Sie findet im Jerusalemer Tempel statt und steht in Lukas 21, 1-4. Jesus blickte zum Opferkasten und sah, wie die reichen Leute ihre Gaben hineinwarfen. Er bemerkte auch eine ärmlich ´gekleidete` Witwe, die zwei kleine Kupfermünzen hinein warf. Da sagte er: 

»Ich versichere euch, diese arme Witwe hat mehr gegeben als alle anderen. Sie alle haben ihre Gaben aus ihrem Überfluss gegeben; diese Frau aber, so arm sie ist, hat alles gegeben, was sie besaß – alles, was sie zum Leben nötig hatte.«

Nimmt man diese Geschichte zum Maßstab, dann ist nicht der Zehnte biblisch, sondern das Ganzopfer. Daran knüpft auch unser Kirchenvater John Wesley an, wenn er sagt:

Erwirb so viel du kannst, spare so viel du kannst, gib so viel du kannst.

Was heißt das: Nirgends in der Bibel wird etwas dagegen eingewendet, dass Menschen gut verdienen – im Gegenteil: Wohlstand steht als Zeichen für Gottes Segen – wichtig ist nur: Wohlstand auch so – von Gott her kommend – zu begreifen. Die ganze Bibel ist aber auch voll von Warnungen davor, sich auf den Reichtum zu verlassen – und von ihm her zu leben. Spare so viel du kannst, heißt deshalb für mich: Lebe nicht über gesunde Grenzen hinweg, sondern überlege gut, was du zum Leben brauchst – und welcher Überfluss dir und anderen schadet. Gerade angesichts derer, die Mangel leiden und Not spüren. Denn die Bibel ist auch voll mit Aufforderungen,den eigenen Wohlstand mit Bedürftigen zu teilen. Und von daher die letzte Aufforderung Wesleys: Gib so viel du kannst.

LibpreisliedEhrlich gesagt: Ich habe meine Schwierigkeiten mit Menschen, die sehr viel verdienen, den Zehnten geben und sich dann zurücklehnen und sagen: „Ich gebe, was geboten ist.“ Ich erinnere an das Scherflein der Witwe. Sie gibt damit mehr als alle anderen. Ja, ich würde sogar noch weiter gehen, auch auf die Gefahr hin von den ganz Bibeltreuen widerlegt zu werden: Ich will von einer alleinerziehenden Mutter, die mit Hartz 4 zwei Kinder zu versorgen hat, den Zehnten nicht verlangen. Da würde ich überlegen, was sie zum Leben hat und was sie braucht – und wenn da nichts übrig ist, haben andere die Aufgabe mitzutragen. Genauso wenig möchte ich dies von einer Witwe tun, die mit ihrer kleinen Rente schauen muss, wie sie über die Runden kommt.

Natürlich ist es ein Zeichen des Gottvertrauens, wenn solche Frauen trotzdem den Zehnten geben – aber ich könnte das nicht verlangen. Aber zu einem Arzt, der 150.000 Euro im Jahr netto verdient, und 15.000 Euro gibt, würde ich gerne sagen: „Meinst du nicht, dass 11.000 Euro Monatsgehalt, mehr Raum zum Geben lassen, als das, was du gibst. Denn so viel Verständnis ich für die alleinerziehende Mutter habe, so viele Gedanken mache ich mir über den Egoismus des Arztes.

Geben, das zeigt uns Zachäus, Geben hat viel mit Empfangen zu tun – genauer: mit dem Empfangen von Gnade. Zachäus hat durch Jesus Gnade empfangen – Gnade, die gar nichts mit Geld zu tun hatte. Gnade, die sein Lebensgefühl berührte. Gnade, die ihm sagte: Gott sieht dich – und für ihn bist du wichtig. Gnade, die ihn spüren ließ: du bist geliebt. Aus dieser geschenkten Gnade heraus hat Zachäus gehandelt. Diese Gnade hat sein Herz und dann seinen Geldbeutel geöffnet.

Manchmal frage ich mich, warum wir uns mit dem Geben so schwer tun? Vielleicht ist das die Antwort. Wir sind uns der Gnade nicht bewusst, die unser Leben erfüllt. Jedenfalls nicht so bewusst, wie John Wesley, Zachäus und die namenlose Witwe es waren. Wenn wir singen: Herr deine Gnade, sie fällt auf mein Leben – Oder: mir ist Erbarmung widerfahren – dann müssen wir uns eingestehen: so tief wie Zachäus haben wir Erbarmung wohl nicht erfahren, so tief wie bei ihm ist Gottes Gnade nicht in unser Leben gefallen – und an die Witwe mit ihrem Scherflein brauchen wir erst gar nicht zu denken …… und an unseren Kirchenvater, dessen Lebensmotto „gelebte Gnade“ lautete, auch nicht… sonst würden wir anders mit unserem Geld umgehen.

Ist das zu ändern – und wenn ja, wie?

  • Vielleicht wäre ein erster, praktischer Schritt doch, sich mal zu überlegen, wie gut geht es mir/uns eigentlich? Wie, wann und wo erfahre ich Gottes Gnade? Gründe ich mein Leben auf sie –oder doch eher auf mein Einkommen, auf die Schätze, die auf Erden zu sammeln sind?
  • Vielleicht wäre ein zweiter, praktischer Schritt danach, sich mal zu überlegen, ob das, wie ich es mache, gut ist? Kommt mein Glaube da zum Ausdruck? Und wenn ich dann zum Ergebnis komme, dass es gut ist, dann Gott einfach danken und weitermachen wie bisher. Wenn ich aber zum Ergebnis komme, dass es nicht gut ist und ich doch lieber Gott vermehrt dafür sorgen lassen will, dass ich mein Auskommen habe, dann ist vielleicht ein dritter Schritt dran.
  • Vielleicht wäre der dritte, praktische Schritt dann doch, dass ich mir vornehme, zu testen, wie das ist,wenn ich den Zehnten gebe? Und dann also einfach mal rechnen: Was haben wir an Einkommen? Was wäre davon der Zehnte? Was geben wir für die Sache Gottes tatsächlich aus? Und wenn da eine Differenz besteht, sich einfach mal vornehmen, die Differenz in den nächsten 3 Jahren schrittweise auszugleichen. Dieses Jahr die Differenz um 30% verringern, 2014 dann um weitere, noch fehlende 40% und 2015 dann um den Rest. Ich glaube, Gott lässt sich da nicht lumpen – und solche Glaubensmutigen erfahren, wie sehr er sich um ihr Ein- und Auskommen kümmert.
  • Das allerdings könnte dann den nächsten Schritt bringen – in Richtung Samuel aus dem Anspiel oder John Wesley, oder in Richtung Zachäus oder gar in Richtung der Witwe. So ganz risikolos ist außerordentliche Großzügigkeit nicht, vielleicht weil wir es mit einem außerordentlich großzügigen Gott zu tun haben.

Aber wie gesagt, das sind nur Gedankensplitter eines Pastors, der in diesem Bereich auch immer wieder mit sich zu tun hat.